Beweismaterial

Deutscher Ansatz

Das Mosaik der Konfliktsituation, das in der Anhörung der Parteien an Kontur gewinnt, bedarf stets der Einbettung in ein objektives Gesamtbild, das die An- und Einordnung der einzelnen Beweisstücke bzw. Argumente erleichtert und vervollständigt.

Der deutsche Teamleiter begreift seine Schlichtungsaufgabe vorwiegend auch als möglichst wahrheitsgetreue Rekonstruktion der Ursachen, Dynamiken und Umstände des Konflikts. Er sucht daher vor allem nach objektivem Beweismaterial, das eine exakte Antwort auf die Leitfrage Warum musste das geschehen? liefert. 

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Amerikanischer Ansatz

Ein amerikanischer Teamleader wird bei seinen Bemühungen, einen mannschaftsinternen Konflikt zu beheben, typischerweise schon frühzeitig Beweismaterial – also Fakten, Meinungen und Sichtweisen – sammeln, das aus neutralen Quellen stammt.

Diese Beweismittelquellen geben in der Summe also sowohl objektive als auch subjektive Beweisstücke wider. Und genau dies wird auch von einem Konfliktschlichter erwartet: Objektives und subjektives Beweismaterial soll gleichermaßen von ihm berücksichtigt werden.

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Deutsche Sicht

Deutsche finden den amerikanischen Ansatz zu manipulationsanfällig. Kollegen beziehen oft für eine Konfliktpartei Stellung. Ihre Zeugenaussage ist von vorne herein subjektiv.

Amerikanische Sicht

Viele Konflikte sind das Ergebnis von nicht quantifizierbaren, hochgradig kontextabhängigen und äußerst vielschichtigen Faktoren. Oft ist die Trennlinie zwischen objektiven und subjektiven Informationen denkbar dünn. 

Werden nur die objektiven Beweismittel berücksichtigt, so kommt dies Amerikanern letztlich so vor, als ob willkürlich nur die Hälfte aller Beweismittel zu Rate gezogen würde.

Vorschläge an Deutsche

Achten Sie nicht nur auf harte, quantifizierbare Fakten. Reden Sie mit den Teammitgliedern in unmittelbarer Nähe des Konfliktes und/oder denjenigen, die davon beeinflusst sind. Involvierte Amerikaner werden Sie bitten, nach der Meinung von Kollegen, die ihre Ansichten teilen, zu fragen. Diese Angaben als zu subjektiv abzustempeln, bedeutet nicht alle Fakten in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen. 

Wenn Sie einer amerikanischen Führungskraft unterstellt sind, machen Sie sich darauf gefasst, dass sie viele verschiedenen Mitglieder der Organisation zum Konflikt befragt werden, um ein möglichst vollständiges Bild zu erlangen. Überlegen Sie sich, wer für sie aussagen kann.

Vorschläge an Amerikaner

Falls Sie ein deutsches Team führen, beginnen Sie damit, Leute im Umfeld oder direkt vom Konflikt Betroffene zu befragen. Fokussieren Sie sich jedoch zuerst auf die harten Fakten. Ansonsten wird Ihre Herangehensweise fälschlicherweise als zu stark auf Hörensagen basierend empfunden. 

Falls Ihr deutscher Chef involviert ist, vermeiden Sie, die Befragung von Personen vorzuschlagen, die Ihre Sichtweise unterstützen. Das könnte als unzulässige Beeinflussung aufgefasst werden.

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